
Jazzzeit, Zeitschrift fur Musik und Lebenskunst, Ausgabe 37/Mai 2003
"Why the Beatles?", fragt Peter Lipa in der Liner-Notes-Überschrift und
fügt sicherheitshalber gleich mal ein "Why not?" hinzu.
"Beatles"-Tributealben sind in der Regel mit Vorsicht zu genießen, in den
meisten Fällen sogar schlicht ungenießbar, ob im Barockkleid, im Jazzgewand
oder im Versuch nah am Original zu bleiben. Dem slowakischen Sänger Peter
Lipa, der in den 80er
Jahren vom "Jazz Forum" regelmäßig als einer der fünf besten europäischen
Jazzsängern gehandelt wurde, gelang mit "Beatles in Blue(s)" (East West
Promotion) eine wohltuende Überraschung. Lipa krempelt die Songs ordentlich
um, verschleppt sie in den Jazz- und Bluessektor und stellt die
Beatles-Klassiker dadurch in ein neues Licht. Wären die Texte nicht derart
bekannt, vermutete man in manchen Versionen erst gar kein Beatles-Lied
dahinter, und genau das ist die Stärke des Albums.
Klar gibt es auch Schwächen wie"With a little help from my friends", diese
sind allerdings deutlich in der Minderheit. Herausragend und in seiner
Eigentümlichkeit beinahe schon experimentell ist z.B. Lipas Neuvertonung von
"Norwegian Wood ", sein Gesang schwankt und kippt, sehnt sich und dehnt
sich, fordert und zaubert. Als weitere Gustostückerln sind "The Fool on the
Hill", "Misery", das soulenergetische "I've just seen a face" und der Blues
"I saw her standing there" hervorzuheben.
Die Arrangements sind wohlfeil, mit den starken Melodien im Rücken konnte
die Band durch ihre berührende Einfachheit frei agieren, was sich
letztendlich äußerst sympathisch anhört. Der Sänger versucht erst gar nicht
nach Lennon oder McCartney zu klingen, was nur allzu vernünftig ist. Lipa
spielt hingegen mit den Worten, zerdehnt sie oder lockert sie, er suchte mit
seiner Stimme neue Wege für die "Beatles"-Songs und gewann. Seit 40 Jahren
ist der Slowake Beatles-Fan, wie er im CD-Booklet schreibt, und diese Liebe
zu und kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Fab Four war vermutlich
auch notwendig die Voraussetzung zu schaffen der Peinlichkeit zu entgehen.
Was zusätzlich auffällt ist, dass Lipa die ausgewrungensten Hadern ausließ,
was bedeutet, dass "Beatles in Blue(s)" ohne "Yesterday", "Let it be", "Lady
Madonna", "Can't buy me Love" und dergleichen auskommt, dafür aber mit
"Every little thing", "All I've got to do" und "I've just seen a face" auch
Songmaterial bearbeitete, das nicht zu den bekannteren Beatles-Songs zu
zählen ist.
Manfred Horak


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